BSG Chemie Premnitz-BSG Stahl Hennigsdorf 1:3


Torfolge:

 

 

 

Ein Pokalspiel war's zwar, doch die Pokalstimmung fehlte

Anmerkungen und Gespräche rund um das Premnitzer 1:3

 

DA DIE PREMNITZER FUSSBALLER am Wochenende zu einem gut besetzten Turnier nach Ungarn fahren wollen, kam es bereits am Dienstagabend zu dem vorgezogenen Spiel der Hauptrunde um den FDGB-Pokal gegen Stahl Hennigsdorf. Der erste bedeutungsvolle Auftritt also für beide Teams in der gerade beginnenden Saison. Wie er ausging, meldeten wir bereits gestern, 3:1 für die Hennigsdorfer. Ein nicht unverdienter Sieg für die Gäste. Sie nutzten ihre Chancen resoluter als der Platzbesitzer, der allerdings auch Möglichkeiten besaß,, diese leider nur mäßige Partie für sich zu entscheiden. Pokalstimmung jedenfalls wollte sich bei den 600 Zuschauern nie breitmachen. Dafür hatte das Spiel der beiden Kontrahenten noch zuviel Ecken und Kanten.

 

SCHON EIN WERTURTEIL über die Stärke beider Mannschaften in Bezug auf die am 26. August beginnende Meisterschaftssaison abgeben zu wollen, erscheint allerdings verfrüht, denn beide Teams kamen „voll" aus dem Training, hatten, wie man so schön sagt, hoch Blei in den Beinen. „Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden, mit der gebotenen Leistung noch nicht", konstatierte deshalb Hennigsdorfs neuer Mann am Regiepult, Hans Levknecht Der waschechte Mecklenburger, der 6 Jahre die TSG Wismar trainierte und zuletzt Übungsleiter der ISG Schwerin Süd war, will verstärkt dem eigenen Nachwuchs vertrauen. „Mit diesem Prinzip bin ich bisher am besten gefahren", erläuterte er und verwies auf den 17-jährigen Verteidiger Petereit und den 18jährigen Stürmer Janotia, die in der Tat in Premnitz eine beachtliche Leistung boten. „Dieser Sieg wird unserer jungen Truppe auf alle Fälle Selbstvertrauen gegeben haben", freute sich auch Mannschaftskapitän Klaus Brinkmann.

 

DER 45JÄHRIGE HANS LEVKNECHT

nimmt „seine Jungs" ganz schön ran. So führt er in der jetzigen Vorbereitungsphase vor jedem Freundschaftsspiel ein 70minütiges Ausdauertraining durch, schickt die Spielen dann unter die Dusche und sodann wieder aufs Feld. „Das war natürlich ungewohnt für uns", gesteht Klaus Brinkmann, und das glaubt man ihm gern. Zugänge aus anderen Gemeinschaften gab es bei den Hennigsdorfern übrigens nicht, abgemeldet hat sich nur Heinrichs, der nun in Premnitz sein Debüt gab.

DIE PREMNITZER ELF, in der vergangenen Saison erfolgreichste DDR-Liga-Vertretung des Bezirks, kann auf einige bewährte Kräfte nicht mehr zurückgreifen. Hovest ging zum 1. FC Union

Berlin, Meier und Mrohs spielen jetzt bei Lok Stendal, und Gottong beendete seine aktive Laufbahn. So war man um

so gespannter auf die neuen Angreifer Heinrichs sowie Lipsky, der von der Nachwuchs-Oberliga-Elf aus Riesa kam. Der Ex-Riesaer deutete dann auch sein spielerisches Können an, während Heinrichs noch an Spritzigkeit gewinnen muß. Mit dem gerade 18jährigen Andreas Pfeiffer (vor dem Motor Rathe-

now) bot auch Chemie einen Nachwuchsmann auf, der im Mittelfeld einige durchaus sehenswerte Aktionen

zeigte.

DAS DILEMMA BEI CHEMIE scheint nach wie vor das Verwerten der Chancen zu sein. Im Vorjahr, als Tabeltenvierter, schoß man in 22 Begegnungen ganze 27 Tore, weniger schafften lediglich die 3 letztplazierten Mannschaften. Deshalb erhofft man sich nun natürlich einiges von Heinrichs und Lipsky, die mit dem schußstarken Kempf und dem schnellen Hurtig durchaus ein gefährliches Angriffsgespann bilden können. Vielleicht bekommt das Stahl Brandenburg, wo die Premnitzer heute um 15 Uhr spielen werden, schon zu spüren. Übungsleiter Ernst Kurths Feststellung jedenfalls, die letzten 3 Wochen vor der Meisterschaft intensiv zu nutzen, darf man als bare Münze hinnehmen. Denn gewurmt hat die Premnitzer der frühzeitige Pokalrausschmiß schon!

BABELSBERGS ÜBUNGSLEITER Wolfgang Bengs, aber auch eine Brandenburger Abordnung, waren sozusagen als Späher zu diesem Spiel gekommen. Schließlich muß Stahl Hennigsdorf zum Auftakt der Meisterschaft in Babelsberg und dann bei Stahl Brandenburg antreten. Große Aufschlüsse über des Gegners wahre Stärke aber werden weder Wolfgang Bengs noch „Mopsi" Mohrmüller, der seine aktive Laufbahn beendete und nun Brandenburgs Übungsleiter Karl Schaffner mit zur Seite steht, kaum erhalten haben.

PETER BRANDES